Schirinaj Dossowa


Schirinaj Dossowa

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In ihrem Buch erzählt Schirinaj Dossowa von ihrer Kindheit im muslimischen Usbekistan und ihren Erlebnissen als Straßenmissionarin in Moskau und Zentralasien. Zum Selberlesen und Weitergeben.

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Unsere Missionarin Schirinaj Dossowa ist eine mitreißende Rednerin. Ihre Erlebnisse als Missionarin in Moskau gehen unter die Haut. Für ihre Besuchsreise in Deutschland stehen einige Termine fest, zu denen Sie herzlich eingeladen sind. Gerne können Sie auch Bekannte, die in der Nähe wohnen, auf die Veranstaltungen aufmerksam machen.

 

 

Gott hat mich vor einer Ehe bewahrt

 

Ein Interview mit Schirinaj Dossowa

 


 

Schirinaj, du bist Tadschikin, geboren in Usbekistan. Von Beruf bist du Betriebswirtin. Mit 22 Jahren kamst du in Moskau zum Glauben, wo du nun seit 35 Jahren lebst. Du bist Mitarbeiterin von LICHT IM OSTEN, Missionarin und unterrichtest an verschiedenen theologischen Ausbildungs stätten. Du bist in einer muslimischen Familie aufgewach sen. Was unterscheidet eine muslimische Familie von einer christlichen?

 

Man kann es gar nicht miteinander vergleichen, das ist wie Tag und Nacht. In einer mu slimischen Familie werden Frauen oft hart und sehr geringschätzig behandelt. Auch heute kann man oft hören, wie ein muslimischer Mann seine Frau nicht mit Namen anspricht sondern: „He, du!“ Und wenn eine Frau ihre Meinung sagen will, wird sie harsch unterbrochen: „Schweig! Du bist eine Frau!“ Den Rest kann man sich ausmalen.

 

Das ganze Glück einer muslimischen Frau besteht in Kindern, von denen sie eine Menge bekommt. Doch endet eine Ehe nicht selten mit einem Selbstmord. Vor kurzem hat sich in einem Dorf ein 17jähriges tadschikisches Mädchen erhängt. Der Vater hat das Mädchen mit einem „guten Mann“ vermählt. Als sie zu ihren Eltern nach Hause kam und sich mit Tränen über ihr Familienleben beklagte, sagte der Vater: „Komm nicht mehr zu uns. Du bist jetzt verheiratet, also gehörst du nicht mehr zu uns, du bist jetzt eine Fremde. Dein Haus ist dort, halte aus!“ Sie hielt nicht aus. Die Ehe dauerte nur acht Monate. Gerechtigkeitshalber muss man aber sagen, dass Frauen es auch im nicht muslimischen Russland schwer haben. Die Trunksucht ist allgegenwärtig, was zu einer sehr hohen Sterblichkeit unter Männern führt.

 

Du hast nie geheiratet. Warum nicht?

 

Sokrates sagte: „Ob du heiratest oder nicht – am Ende bereust du es doch.“ An Verehrern fehlte es nicht, aber ich denke, dass Gott es so geführt hat. Als ich noch nicht Christ war (bis 30), dachte ich, dass eben noch nicht der Richtige gekommen sei. Damals war ich „Gastarbeiterin“ in Moskau, ich kam aus Usbekistan, habe schwere Arbeiten verrichtet. Und die Männer in Moskau sind sich ihres Wertes bewusst. Sie sind sehr verwöhnt und verhätschelt. Außerdem haben sie manische Angst, dass die zugereisten Mädchen sich durch die Ehe in ihren Wohnungen polizeilich anmelden und später versuchen wollen, sich diese Wohnungen gerichtlich teilweise oder ganz anzueignen. Das Wohnrecht in Moskau ist sehr wertvoll und nur schwer zu bekommen. Der russische Schriftsteller Soschenko hat gesagt: „Die Moskauer sind gute Menschen, aber die Wohnungsfrage hat sie verdorben.“ Mit 30 Jahren kam ich zum Glauben und begann auf dem Arbat (Einkaufsstraße in Moskau) zu evangelisieren. Später fuhr ich häufig nach Mittelasien, wo zwei Gemeinden entstanden sind. Das ist ein großer himmlischer Segen, wenn das ganze Leben mit dem Dienst für den Herrn gefüllt ist.

 

Ich bin ganz gewiss, dass es in meinem Fall so ist, dass Gott mich gesegnet und vor einer Ehe bewahrt hat. Ich könnte das ständige Außerhaussein nicht mit einer Familie vereinbaren. Der Apostel Paulus schreibt: „Wer seine Jungfrau heiratet, der handelt gut; wer sie aber nicht heiratet, der handelt besser.“ (1.Kor 7,37-38) Also ist Verheiratetsein ein Segen und das Ledigsein auch. Es kommt nur darauf an, wie man zu diesem Segen steht, was man daraus macht und wozu man ihn nutzt. Ich bin Missionarin, ich predige, mache Fernseh- und Radiosendungen, unterrichte an theologischen Ausbildungsstätten, bin oft unter Menschen und vielleicht gefalle ich auch dem einen oder dem anderen. Vor Kurzem wurde mir ein Antrag gemacht, obwohl ich schon 52 bin. Ich entschuldigte mich und lehnte ab. Ich weiß gar nicht, wie ich es erklären soll. Aber ich weiß in meinem Herzen, dass es ein Segen und die Gabe von oben ist.

 

Du bist Predigerin, du bist für das Leben, die Lehre und die Ermutigung in der von dir gegründeten Gemeinde in Moskau zuständig. Was fällt dir da bei leicht und was schwer?

 

Wir haben eine wunderbare Gemeinde. Die Geschwister lieben mich sehr und versuchen, mich vor Ärger und Unannehmlichkeiten abzuschirmen. Aber es gibt auch Menschen mit kaputten Schicksalen, mit ihnen ist es nicht leicht. Sie sind in ihrem Charakter festgefahren. Es fällt ihnen schwer, sich unterzuordnen, obwohl sie sich bemühen. Manch mal sind erwachsene Menschen wie kleine Kinder: Sie sind nicht bereit, Probleme zu lösen, obwohl sie um Rat fragen. Ich habe oft erlebt, wie Gott in hilfl osen Situationen eingreift, und zwar sehr bald. Es bleibt nur, ihm zu danken. Die größten Probleme im Familienbereich sind die Beziehungen zwischen Mann und Frau, Kindern und Verwandten. Jemand hat mal zu Recht gesagt, dass wir die meisten Verletzungen denen zufügen, die wir am meisten lieben. Denken wir an Lady Nancy Astor. Sie war die erste Frau in der Geschichte Großbritanniens, die ins Parlament gewählt wurde. Einmal sagte sie zu Winston Churchill: „Wenn ich Ihre Frau wäre, Winston, würde ich Gift in Ihren Tee mischen“, worauf er erwiderte: „Wenn Sie meine Frau wären, würde ich ihn trinken.“ Wie kann man solche Beziehungen heilen? Wir bieten in der Gemeinde regelmäßig zwei Bibelkurse an: „Eheleben ohne Enttäuschung“ und „Intime Beziehungen im Licht der Bibel“. Diese Kurse sind sehr hilfreich. Es reicht nicht, einen Rat zu bekommen. Es bedarf einer „Erneuerung unseres Sinnes“, um ein unverzerrtes Denken und die richtige Sicht Gottes zu haben.

 

Wie ist die demografi sche Zusammensetzung deiner Gemeinde?

 

Die meisten sind Russen. Es gibt aber auch ehemalige Muslime: Usbeken, Tadschiken, Tataren. Vor Kurzem kam Oleg zu uns, ein aus Tadschikistan stammender Russe. Er spricht perfekt Tadschikisch und fühlt sich eher als Tadschike und nicht als Russe. Wo soll man ihn zuordnen? In mein Telefonbuch trug ich ein: Oleg, der Tadschike. Ich freue mich, dass fast alle Gemeindeglieder sich missionarisch betätigen und Literatur an Muslime in Moskau verteilen – auf den Märkten, in den Bahnhöfen und an die Straßenfeger.

 

Wie wirkt sich in deinem Dienst die Tatsache aus, dass du a) eine Frau und b) unverheiratet bist?

 

Ich bin den Brüdern dankbar, die mir beistehen und mich ermutigen. Wir haben in der Gemeinde sechs Diakone. Darunter ist ein bedeutender Professor der Medizin, dann ein Abteilungsleiter von einer Behörde, ein Mitarbeiter der Dorkas-Mission, ein Elektriker, ein Bankangestellter und ein Fahrer, der sehr gut Englisch spricht und in der Gemeinde Klavier spielt. Diese Brüder sind echte Diamanten, gottesfürchtig, „suchen nicht das Ihre.“ Bei ihnen und mit ihnen fühle ich mich geborgen, und das wirkt sich auf den Dienst aus. In Ihrer Frage schwingt die Überlegenheit der Männer über die Frauen mit. Die israelische Premierministerin Golda Meir sagte mal Folgendes: „Ob Frauen besser sind als Männer, kann ich nicht sagen. Aber sie sind sicherlich nicht schlechter.“ Und was das Ledigsein betrifft, kann ich mit Apostel Paulus sagen: „Und die Frau, die keinen Mann hat, und die Jungfrau sorgen sich um die Sache des Herrn, dass sie heilig seien am Leib und auch am Geist; aber die verheiratete Frau sorgt sich um die Dinge der Welt, wie sie dem Mann gefalle.“ (1.Kor 7,34) Das Wort Gottes irrt nicht.