
Chronik, Hintergründe und Folgen einer Revolution
Unsere Partner vor Ort berichten:
Am 7. April kam es in Kirgisistan zu einem Regierungswechsel. Die Oppositionsführer ergriff en die Macht und bildeten eine provisorische Übergangsregierung mit Rosa Otunbajewa an der Spitze. Das Volk, das von der Politik der korrupten Regierung unter Präsident Bakijew an den Rand der Verzweiflung gebracht worden war, vollzog eine Revolution.
In der Nacht zuvor waren noch 10 Oppositionsführer verhaftet worden. Diese Aktion goss Öl ins Feuer, so dass sich die Proteste auf das ganze Land ausweiteten. Der Präsident gab den Befehl, den Aufstand mit Waffengewalt niederzuschlagen. Doch dabei rechnete die Regierung nicht damit, dass der Aufstand das ganze Land erfassen würde. Trotz Erschießung von Demonstranten ging am 7. April um ca. 22.00 Uhr die Macht an die Opposition über.
Was an diesem Tag in Kirgisistan vor sich ging, kann man als Krieg bezeichnen. Es wurden Schusswaffen und Granaten verwendet. Gott sei Dank kam es nicht zum Einsatz von Schwerartillerie und Panzern. Die Folgen dieses 2-Tage-Krieges: über 100 Tote und ca. 2.000 Verletzte. Täglich starben Verwundete in den Krankenhäusern. Hinzu kamen Unruhen in den Straßen. Hunderte von Häusern, Büros, Kaufhäusern und Verwaltungsgebäuden wurden geplündert und in Brand gesetzt.
Doch in all dem Chaos wirkte Gott ein Wunder: Keiner der Christen hat bei diesen Ereignissen einen Schaden erlitten, kein Gebetshaus wurde angegriffen. Gott sei Dank! In diesen unruhigen Tagen wurden in allen Kirchen Gottesdienste ab gehalten. Ab dem 9. April fanden in den Gebetshäusern tägliche Gebetsversammlungen statt und es wurde für die Situation Kirgisistans gebetet. Am 12. April wurde in allen Gemeinden ein Fasten und Beten ausgerufen. In den darauffolgenden drei Wochen fasteten täglich jeweils drei Gemeinden und baten den Herrn um Frieden und seinen reichen Segen für das Land.
Am 13. April wurde die Immunität des Präsidenten aufgehoben und ein Haftbefehl gegen ihn und eine Reihe seiner Anhänger erlassen, die unter seiner Regierung wichtige Staatsposten innehatten, einschließlich seiner zwei Söhne. Seinen Rücktritt lehnte er weiterhin ab, obwohl inzwischen der größte Teil der Bevölkerung sowie Armee und Miliz auf die Seite der Opposition übergegangen waren.
Am Abend des 15. April verließ Bakijew das Land in einem kasachischen Militärflugzeug in unbekannter Richtung. Die meisten EU-Länder sowie Amerika, Russland und Kasachstan hatten ihm politisches Asyl verweigert.
Die Situation blieb weiterhin sehr angespannt. Die vorübergehenden Machthaber bekamen die Situation nicht unter Kontrolle, die Zustände blieben chaotisch. Ausschreitungen, Gewalt und Blutvergießen waren allgegenwärtig. Immer wieder brachen Unruhen aus, begleitet von Brandstiftungen, Plünderungen und Morden. Die einen forderten Grundstücke zum Bebauen, zerstörten die Saat und eigneten sich fremdes Eigentum willkürlich an, die anderen verlangten, dass alle Russen und sonstigen Völker Kirgisistan verlassen, anderen wiederum gefielen die lokalen Machthaber nicht, sie wollten eigene Leute auf den führenden Posten sehen usw. Mit Steinen und Eisenstangen bewaffnete Menschenmassen schlugen Häuser kaputt, verprügelten Menschen und verjagten sie aus ihren Häusern, setzten Häuser und Autos in Brand…
In diesen unruhigen Tagen spürten wir Christen ganz reell die Gegenwart Gottes, seine Bewahrung und seinen Schutz. Preis dem Herrn, dass er weiterhin Gnade erwies und keiner zu Schaden kam.
Dennoch konnten aufgrund der politischen Ereignisse zahlreiche überregionale Veranstaltungen nicht oder nur eingeschränkt durchgeführt werden. Eine Gruppe Gehörloser mit Übersetzern aus Bischkek zum Beispiel, die an einem Seminar für die Arbeit unter Gehörlosen teilnehmen wollte, konnte das Ziel leider nicht erreichen. Die Strecke wurde von den Anhängern des Ex-Präsidenten Bakijew blockiert. Autos wurden mit Steinen beworfen, es gab Versuche die Menschen zu verprügeln. Aber Gott sei Dank, unsere Geschwister und deren Bus blieben bewahrt.
Was uns in Zukunft erwartet, wissen wir nicht. Das Land ist ausgeplündert, die Staatskassen sind leer. Kirgisistan ist wirtschaftlich ruiniert, es herrschen politische Spannungen. In den Gemeinden ist eine allgemeine Niedergeschlagenheit zu beobachten. Die Zahl der Auswanderer stieg drastisch an. Es beeinflusst das Leben der Gemeinden sehr, wenn Mitglieder und Mitarbeiter das Land verlassen. Menschlich gesehen ist das alles sehr deprimierend, aber mit uns ist der auferstandene Christus, und wir hoffen nur auf ihn und beten, dass wir auch in Zukunft den Menschen die rettende Botschaft verkündigen dürfen, umso mehr, da die Übergangsregierung zur Zeit an einer neuen Verfassung arbeitet.
Die ehemalige Regierung hatte die Ausbreitung des Evangeliums verhindern wollen und ein Gesetz erlassen, das praktisch jegliche missionarische Tätigkeit verbietet: die Arbeit mit Kindern, geistliche Ausbildung, Herausgabe und Druck christlicher Literatur, die Registrierung von Gemeinden u.v.m. Wir beten nun, dass die neue Verfassung und das neue Religionsgesetz die Rechte der Gläubigen nicht einschränken. An ihrer Ausarbeitung sind allerdings auch Verfechter des Islam beteiligt. Wir wollen weiterhin die Möglichkeit haben, offen Gottesdienste zu veranstalten, Menschen das Evangelium zu predigen sowie Kinderfreizeiten durchzuführen. Bitte beten Sie für unser Land!
„Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können…“ (Kol 4,2-3)