Geschichte

 

Als LICHT IM OSTEN 1920 in Wernigerode gegründet wird, sind die Folgen des Ersten Weltkriegs noch deutlich zu spüren. Man hat alle Hände voll zu tun, sich um die vielen Menschen zu kümmern, die fern ihrer Heimat in Lagern leben ...

Anfänge

Allein 2,5 Millionen russische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter befinden sich damals noch in Deutschland. Unter diesen Menschen kommt es schon während des Krieges zu einem geistlichen Aufbruch, und als sich nach Kriegsende durch die Wirren in Russland die Rückführung verzögert, gibt es eine richtige Erweckung in den Lagern. Dort sind viele Verkündiger unterschiedlicher Konfessionen evangelistisch tätig. Als die Arbeit immer umfangreicher wird und eine organisatorische Struktur braucht, gründen Jakob Kroeker und Walter Jack den Missionsbund.

Spenden aus Schweden, dort gibt es seit 1903 eine ähnliche Ostmission, ermöglichen den Kauf des Hauses „Gottesgabe“, in dem neben Organisation und Versand bis 1927 Bibelkurse in russischer Sprache stattfinden.

Durch die russischen Brüder, die hier zum Glauben kamen und dann in ihre Heimat zurückkehrten, wurden über 2.000 Gemeinden gegründet. So entstand das Missionsprinzip: Nicht Deutsche gehen als Missionare nach Russland, sondern wir unterstützen einheimische Christen unterschiedlicher Konfessionen bei ihrer missionarischen Arbeit. Walter Jack formulierte es so: „Gemeinden gründen können die Slawen besser als wir. Aber wir wollen das Feuer mit dem Wort Gottes und unseren Gebeten schüren, wo nur ein paar Funken zu glühen anfangen.“

Die kommunistischen Machthaber verfolgen zunächst nur Angehörige der russisch-orthodoxen Kirche, die anderen Konfessionen haben sogar relative Freiheit, und ab 1925 hat jeder Sowjetbürger das Recht, eine Bibel zu besitzen. LICHT IM OSTEN nutzt diese Chance zu einem umfangreichen Bibelversand, denn der Hunger nach Bibeln ist unvorstellbar groß. Einmal werden sogar „mehrere Millionen Bibeln“ angefordert. 1929 schließt sich dieses Fenster mit den grausamen Religionsgesetzen Stalins leider sehr rasch.

Bis zum Zweiten Weltkrieg muss der Missionsbund sehr erfinderisch sein, um das Evangelium und die Humanitäre Hilfe in die Sowjetunion zu schaffen. In normalen Briefen wird Literatur auf Dünndruckpapier geschickt, und eine Versandfirma kann bis 1941 sogar neutrale Hilfspäckchen in die Verbannungslager senden. Gleichzeitig beginnt LICHT IM OSTEN, die zehn Millionen russischen Emigranten in aller Welt mit christlicher Literatur zu versorgen.

Während und nach dem zweiten Weltkrieg

Während des Zweiten Weltkriegs nehmen viele gläubige Soldaten der deutschen Wehrmacht russische Bibeln mit, um sie unter Russen zu verteilen. Auch gelingt es, evangelistische Schriften für russische Kriegsgefangene in die Lager zu schmuggeln. Manchmal kommt es sogar zu Erweckungen. Etwa 23.000 Russen lassen sich heimlich taufen.
Als die Rote Armee 1945 auf Wernigerode vorrückt, verbrennen die Mitarbeiter von LICHT IM OSTEN so schnell wie möglich alle Unterlagen – vor allem Adressen, um die Christen in Russland nicht in Gefahr zu bringen – und setzen sich nach Süddeutschland ab. Aus diesem Grund gibt es heute nur wenige Unterlagen aus der Frühzeit des Missionsbundes. Am 1. September 1946 kann dann in Stuttgart-Mühlhausen der Missionsbund neu entstehen. Männer der zweiten ersten Stunde waren damals Joachim Müller, Jakob Kroeker, Hans Brandenburg und Jacob Dyck und Erna Sichtig als Sekretärin. Und wie schon 26 Jahre zuvor sind es wieder engagierte Christen aus Skandinavien, der Schweiz, England und anderen Ländern, die dafür sorgen, dass das Evangelium und die Humanitäre Hilfe in den Osten gesandt werden können. Und wieder gibt es etwa zwei Millionen Slawen, die in Deutschland hängen geblieben sind und das Evangelium brauchen. Viele von ihnen wandern nach Kanada und in die übrige weite Welt aus und verstärken dadurch indirekt die weltweite Tätigkeit von LICHT IM OSTEN. 1956 konnte nach 28 Jahren wieder die erste Bibel per Post in die Sowjetunion geschickt werden. 

Im selben Jahr zog LICHT IM OSTEN nur einige Kilometer weiter nach Korntal. Dass der Missionsbund hier schließlich seine Heimat fand, ist der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal zu verdanken. Hier war bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als Pfarrer Eduard Wüst von Korntal zu den nach Südrussland ausgewanderten Schwaben gesandt wurde, ein waches Interesse für die Ostmission vorhanden. Innerhalb Korntals wechselte LICHT IM OSTEN noch zweimal das Domizil, bevor 1984 das Gebäude in der Zuffenhauser Straße bezogen werden konnte.

Eiserner Vorhang

In den 60er und 70er Jahren wird es immer schwieriger, christliche Literatur legal in den Osten zu schaffen. Aber viele junge Christen unterschiedlicher Nationalitäten helfen mit präparierten Campingbussen, Wohnwagen und andern Autos, bei Touristenreisen Literatur in den Osten zu bringen. Immer wieder gibt es auch Rückschläge, Fahrzeuge samt Ladung werden beschlagnahmt, sogar ein Pfarrer aus Ostdeutschland verrät LICHT IM OSTEN an die Staatssicherheit. Aber das alles kann den Weg des Evangeliums nicht bremsen – und heute bekommen viele der damaligen „Bibelschmuggler“ noch leuchtende Augen, wenn sie von ihren Erlebnissen und Bewahrungen erzählen.

Ein wichtiger Dienst während der Zeit des Kalten Krieges war die Information der westlichen Öffentlichkeit über die Situation verhafteter und bedrohter Christen in den kommunistischen Staaten. Verbunden mit Gebetsaufrufen haben sich die Christen im Osten dadurch auch in schweren Zeiten getragen gewusst. Die Wende im kommunistischen System brachte auch eine Wende für die Arbeit des Missionsbundes mit sich. Was früher nicht einmal denkbar war, wurde plötzlich Realität.

Jetzt gehören zu den Arbeitsgebieten des Missionsbundes sogar Gemeindegründungen; dabei wird ein großer Akzent auf die Unterstützung einheimischer Missionare gelegt. Neben der Haupttätigkeit als Literaturmission wird das Wort Gottes auch durch neue Medien und durch das Radio verbreitet. Auf diese Weise werden Menschen in entferntesten Orten erreicht und es wird auch Mission unter Blinden ermöglicht. LICHT IM OSTEN will aber den Menschen in Osteuropa und Zentralasien nicht nur in ihrer geistlichen Not helfen, sondern auch in ihrer materiellen. Regelmäßig fahren von Korntal Transporte mit humanitären Gütern in den Osten. Humanitäre Hilfe unterstreicht die Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit unseres Anliegens und unterstützt somit unsere missionarische Arbeit vor Ort.

Wende

Dann kommt die Wende und damit eine bisher ungeahnte Freiheit. In vielen Ländern Osteuropas und Zentralasiens bekennen sich heute Tausende offen zu Christus. Es entstehen Missionsgesellschaften und Bibelschulen, neue Gemeindebünde und Radiostationen. Regelmäßig verlassen Sattelschlepper beladen mit Bibeln und christlichen Zeitschriften Korntal und machen sich legal auf den Weg nach Osteuropa. Gott allein weiß, welcher Segen davon ausgeht.