Raissa Ketschil

Raissa Ketschil

 

In der zu Russland gehörenden Republik Tuwa lebt und arbeitet unsere Missionarin Raissa Ketschil. Nur zwei Straßen verbinden eine Fläche, halb so groß wie die Bundesrepublik Deutschland, mit dem Rest Russlands. Es leben dort gut 300.000 Menschen; 77% davon sind Tuwiner. Viele leben in Jurten, ihre Lebensgrundlage ist die Viehhaltung. Die russische Minderheit von etwa 20% schrumpft beständig durch Abwanderung. Tuwiner gehören nominell dem Buddhismus an, schamanische Praktiken haben jedoch traditionell eine große Bedeutung und weite Verbreitung: 246.000 Menschen bekennen sich dazu. Demgegenüber stehen etwa 1.000 tuwinische Christen und es gibt nur eine Gemeinde, in der auf Tuwinisch gepredigt wird. Raissa brennt dafür, das Reich Gottes unter ihren Landsleuten auszubreiten.

 

Dies ist aber gar nicht so leicht. Abgesehen von den rauen klimatischen Verhältnissen bis zu -50 Grad Celsius im Winter und den inneren Widerständen der Menschen, die Jesus Christus als einen „russischen Gott“ ablehnen, ist leider auch die kleine Schar der Christen nicht geeint. Gemeinden sind zerstritten und jede ist nur von sich selbst überzeugt. Es gibt kaum christliche Literatur auf Tuwinisch und nur wenige gläubige Männer, die sich in den vollzeitlichen Dienst berufen lassen.

 

Nichts für Zaghafte also. Umso mehr aber etwas für Raissa Ketschil. Mit großem Durchhaltevermögen setzt sie sich für die Einheit und Zusammenarbeit christlicher Gemeinden ein und fördert einzelne Christen, um sie für den Dienst in verantwortungsvollen Aufgaben vorzubereiten. Dazu gründete Raissa vor zwei Jahren die Organisation „Gemeinsam“ für die soziale Entwicklung und das geistliche Wachstum der Bevölkerung. Raissa nennt konkrete Ziele:

 

Im sozialen Bereich

  • Aufbau eines Spielplatzes im Reha-Zentrum Sug-Aksy. Die einzige Christin am Ort leitet das Reha-Zentrum für Kinder und Jugendliche. Sie verkündet den Kindern und den Mitarbeitern das Wort Gottes. Anfänglich verboten die Behörden die Verkündigung und drohten, die Leiterin zu entlassen. Doch der Herr segnete den Dienst dieser Frau. Die Behörden mussten feststellen, dass sich das Verhalten der Kinder und Jugendlichen positiv verändert hat, und ließen sie in Ruhe. Mittlerweile gibt es dort eine Gemeinde mit einigen Mitarbeitern und etwa 30 Jugendlichen.
  • Aufbau einer Anlage für Kinderfreizeiten. Die Gemeinden in Tuwa sind klein und können sich so etwas nicht leisten. In dieser Anlage könnte man dann das ganze Jahr Kinder-, Jugend- und Familienfreizeiten durchführen sowie Seminare abhalten.
  • Gründung eines Unternehmens in Ak-Dowurak, welches Haus- und Wohnungsrenovierungen, Tischler- und Schweißerarbeiten anbietet. Die arbeitslosen Gemeindemitglieder sollen angestellt werden.
  • Finanzielle Unterstützung für Christen, die in irgendeiner Weise dem Herrn dienen.

 

Im geistlichen Bereich

  • Ausbildung von Diakonen, Aussendung von Missionaren für den Dienst an verschiedenen Orten, Seminare und Schulungen.
  • Übersetzung christlicher Literatur, besonders Schulbücher und Kinderbücher.
  • Herausgabe einer christlichen Zeitung oder Zeitschrift in russischer und tuwinischer Sprache sowie die Herausgabe von Gedichtbänden und Lebenszeugnissen.
  • Veranstaltungen und Festivals mit christlicher Musik und Liedern.
  • Förderung der Zusammenarbeit unter den christlichen Gemeinden. „Zurzeit leite ich diese Organisation“, sagt Raissa in großer Bescheidenheit. Bei all ihren Aufgaben und Plänen begegnet man in Raissa nicht einer großen Macherin. Seit Gründung der Organisation sucht sie beständig nach einer geeigneten Person, einem Mann, als Leiter. Was tun, wenn sich keiner findet? Raissa läuft nicht davon. Aber ihre Kraft wird kleiner, sagt sie. Ist es vielleicht gerade diese kleine Kraft, in der Gott sich als mächtig erweisen will?

 

Vieles konnte umgesetzt werden. Vor einem Jahr schrieb Raissa: „Dankbar sind wir für die Finanzen, die die Mission ‚InterAct‘ für Schulungen zur Verfügung stellt. Diese Mission finanziert auch den Bau der Anlage für Kinderfreizeiten. Sogar für ein Grundstück ist Geld da. Es gäbe Personen, die übersetzen können und bereit wären, an einer Zeitung mitzuarbeiten. In Zusammenarbeit mit der Mission „Jedes Volk“ konnten wir außerdem die Frohe Botschaft und Zeugnisse tuwinischer Christen in ihrer Sprache auf CDs aufnehmen.

 

Nach wie vor arbeite ich auch in Ak-Dowurak und Aryg-Usuu. Im August haben sich in Ak-Dowurak nach fünf Jahren Pause fünf Personen taufen lassen. Das Leben der Gemeinde, in der Ajas Oorschak den Pastorendienst leistet, stabilisiert sich gut. Gott sei Dank!“

 

Unerwartet kam Raissa zu einem Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige, dessen Bau man ihr halbfertig überließ, nachdem das Visum für den amerikanischen Initiator nicht verlängert wurde. Heute hilft dort Ajas Oorschak. Über ein Cafe wird das Zentrum finanziert. 2008 erhielt Raissa ein Diplom, das zur Leitung des Zentrums berechtigt.

 

Erfreuliches erlebte Raissa mit ihrem Team letzten Herbst in einer der örtlichen Schulen. Bereits im Sommer machte Raissa einigen Schulen das Angebot, Religion zu unterrichten (normalerweise wird dort sporadisch Buddhismus unterrichtet). Dabei stieß sie auf große Skepsis. In einer Unterrichtsstunde war der Direktor über die Exklusivität der christlichen Lehre empört, unterbrach den Unterricht und schickte Raissa weg. Jetzt hat diese Schule Raissa eingeladen, in einigen Klassen zu unterrichten.

 

Vor zwei Jahren öffnete die erste christliche Bildungsstätte Tuwas (Euro-Asiatische Bibelschule) ihre Türen in Kysyl. Die Studenten lernen dort Grundlegendes über das Erforschen der Heiligen Schrift und sind trotz aller konfessionellen Unterschiede glücklich über diese Möglichkeit, Gottes Wort besser kennenzulernen. Für Raissa ist dies ein entscheidender Schritt bei der Ausbildung und Stärkung einheimischer Mitarbeiter und Pastoren. Es ist ihr ein großes Anliegen, die Studenten während der regelmäßig stattfindenden Blockkurse und in der Zeit dazwischen persönlich zu betreuen. Darüber hinaus ist sie verantwortlich für die Organisation: Räume für Unterricht und Übernachtung suchen, Verpflegung organisieren, Dozenten einladen, Dozenten aus Abakan abholen (das ist der nächstliegende zurzeit funktionierende Flughafen, 400 km von Kysyl entfernt), Finanzierung sichern, usw.

 

Immer wieder gibt es spannende Diskussionen vor Ort, warum die Moskauer Zentrale keine Männer als Dozenten schickt. Raissa bemüht sich, die Sensibilitäten der örtlichen Prediger zu berücksichtigen und bei der Zentrale der Bibelschule um männliche Dozenten zu bitten. Die Zentrale kann aber nur diejenigen aussenden, die sich auch senden lassen: es ist eine langwierige Reise nach Kysyl, die Leistungen der Studenten sind durchschnittlich, was nicht besonders anregend für die Lehrer ist, die Bezahlung knapp: also nicht allzu viel Anreiz für männliche Dozenten, die sich bessere Jobs aussuchen können. Und doch ist es immer wieder eine gesegnete Zeit des intensiven Bibelstudiums, an denen etwa 30 Personen aus verschiedenen Gemeinden der Region teilnehmen. Gerade in diesen Wochen findet wieder ein Blockkurs statt. Die Ausrüstung von Nachfolgern Jesu ist für Raissa nach wie vor ein Schwerpunkt in ihrem Dienst. Erfreulich ist die Entwicklung des Verantwortungsbewusstseins der Schüler. Sie haben angefangen von ihren kleinen Einkommen zu spenden. Angesichts dessen, dass viele Gläubige nur Gelegenheitsjobs haben, ist dies ein Ausdruck tiefen Vertrauens und der Hingabe. Einer ihrer Schüler, Viktor, hat jetzt die Leitung einer Gemeinde übernommen, die führungslos geblieben war.

 

Weil sozial Schwache und Suchtkranke in den bestehenden Gemeinden ausgegrenzt werden, plant Raissa nun eine Gemeindegründung im Außenbezirk der Stadt Kysyl, wo diese Gruppen die Mehrheit bilden. Einen Hauskreis gibt es bereits, der von Raissa und Eres geleitet wird. Eres hat von Geschwistern in USA eine Spende zur Existenzgründung erhalten und will eine kleine Bäckerei organisieren, um einige Arbeitslose zu beschäftigen. Solche Bemühungen um Jobs machen das christliche Zeugnis glaubwürdig und ermutigen die Ärmsten, an Veränderungsmöglichkeiten zu glauben. Die in solchen Mini-Projekten Beschäftigten sind jetzt schon eifrige Mitarbeiter im Hauskreis und bei der Evangelisation von Haus zu Haus.

 

Letzten Sommer fanden Kinderfreizeiten und ein christliches Musikfestival statt. Unter den Mitwirkenden im Stadtpark waren Jakuten, Burjaten und Chakassen, Christen aus Altai und dem Kreis Krasnojarsk. Lieder, Gedichte und Ansprachen stießen bei den Menschen auf großes Interesse und zwei Personen kamen zum Glauben.

 

Besonders notwendig, nicht nur für solche Anlässe, wären christliche Schriften in Tuwinisch, um die Menschen in ihrer Muttersprache mit dem Evangelium bekannt zu machen. Aber leider gibt es kaum etwas auf Tuwinisch. Weil Raissa dies ein großes Anliegen ist, versucht sie ein Team für Übersetzungsarbeiten zusammenzustellen. Meist übersetzt sie selbst. Das bleibt eine große und lohnenswerte Aufgabe. „Neulich kamen Eltern zum Glauben, deren Kinder ich vor 10 Jahren evangelisiert hatte“, freut sich Raissa über die späte Frucht. Nebenbei sammelt sie mit ihrem Team tuwinische Lieder und produziert zusammengeheftete Liederhefte. Da bleibt für LICHT IM OSTEN als Literaturmission also noch viel zu tun.

 


 

Raissa Ketschil

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BLZ 604 500 50 (KSK Ludwigsburg)

 

Verwendungszweck: 65727 Raissa Ketschil