Auswirkungen Antiterrorgesetz

November 2018

Festnahme eines Baptistenpastors in Tartastan

In der russischen Republik Tatarstan wurde am 22. November 2018 der Pastor einer Baptistengemeinde wegen unerlaubter missionarischer Tätigkeit festgenommen, inhaftiert und am 23. November 2018 dem Richter in Nabereschnyje Tschelny (Tatarstan) in Handschellen vorgeführt. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 20.000 Rubel (= ca. 265 EURO).

Das Urteil bezog sich auf eine unangemeldete Taufe in einem Fluss, die von der Baptistengemeinde bereits Ende Juli 2018 durchgeführt worden war. Nach Angaben der Gemeindeglieder fand die Taufe an einem menschenleeren Platz am Ufer des Flusses Kama statt und war eine gemeindeinterne Veranstaltung mit ca. 100 gläubigen Anwesenden ohne Teilnahme gemeindefremder Personen, ohne evangelistische Verkündigung und ohne Verteilung religiöser Schriften. Dennoch legte das Gericht die Durchführung der Taufe als eine missionarische Aktivität aus, die der behördlichen Genehmigung bedarf.

Besonders in der Stadt Nabereschnyje Tschelny kommt es häufiger zu Diskriminierungen und Einschüchterungsversuchen gegenüber protestantischen Gemeinden. In letzter Zeit ist auch eine staatlich registrierte Pfingstgemeinde Opfer von Kontrollen und Razzien und der Auflösung eines Gottesdienstes geworden.

„Die Vertreter der verschiedenen Machtorgane scheinen zu ignorieren, dass die Auffassung von der religiösen Vielfalt und dem religiösen Frieden in der russischen Gesellschaft auf diese Weise zerstört wird.“

Bitte beten Sie für unsere protestantischen Glaubensgeschwister in Russland um Weisheit in der Gestaltung ihres Gemeindelebens und um Kraft und Mut, um sich von behördlichen Repressalien nicht einschüchtern zu lassen. Und beten Sie bitte für die russische Regierung um eine Rückbesinnung auf echte Religionsfreiheit.

 

Juni 2018

Festnahmen von Jugendlichen beim Verteilen christlicher Literatur während WM in Russland

Einer unserer Missionare berichtet von den evangelistischen Einsätzen parallel zur Fußball-WM: „Wir hatten uns christliche Bücher zum Thema Fußball angeschafft mit dem Zeugnis eines Fußballers über seinen Glauben .... Wir sind uns dessen durchaus bewusst, dass missionarische Tätigkeit ohne die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verboten ist, und wir halten uns daran. Das Buch enthält alle vom Gesetz vorgeschriebenen Angaben, ein paar Ansichtsexemplare haben wir sogar an die Administration des Präsidenten und ans Sportministerium geschickt. Es gab keinerlei negative Reaktionen von dort. Das Einzige, wozu im Buch aufgerufen wird, ist, im Glauben zu Jesus zu kommen … Vor kurzem zogen wir alle wieder los, um Bücher zu verteilen. Unsere Jugendlichen, darunter ein 13-jähriger Junge, wurden dabei festgenommen. Alle Bücher, die sie bei sich hatten, wurden konfisziert … Die Bedingungen des Gewahrsams waren nicht gerade kindgerecht: Die Jugendlichen saßen zwischen betrunkenen Fans und bekamen kein Wasser zu Trinken. Wir als Eltern wurden vorgeladen und befragt und mussten schriftliche Erklärungen abgeben. Bemerkenswert: Für die Beschlagnahmung der Bücher wurden Zeugen hinzugerufen, die sich wunderten und nicht verstehen konnten, warum die Jugendlichen festgenommen worden waren. Die Bücher fanden sie ganz interessant und hätten sie am liebsten gelesen, aber das hat man ihnen verwehrt … Wir erklärten, dass die Administration des Präsidenten darüber informiert sei und ebenso das Sportministerium …  Man versprach uns, uns zu einer Befragung vorzuladen, da unsere Handlungen auf missionarische Aktivitäten schließen ließen und die Bücher noch auf extremistischen Inhalt geprüft würden. Eigentlich ist inzwischen schon genug Zeit vergangen, wir hätten längst entweder zur Befragung vorgeladen werden oder die Bücher zurückbekommen müssen. Bis jetzt herrscht aber Stille …

Bitte unterstützen Sie uns im Gebet, dass diese Situation unseren weiteren Dienst nicht behindert. Dieser Vorfall zeigt, dass das Gesetz unnötigerweise da angewendet wird, wo der Gesellschaft keine Gefahr droht.“

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