Nothilfe Ostukraine

Unsere Mitarbeiter in Kiew haben alle Hände voll zu tun, den in Kiew gestrandeten Flüchtlingen aus dem Osten zu helfen.
Ein Bericht von Pawel Dawidjuk, Missionsleiter von LICHT IM OSTEN Ukraine.

Alles verloren

Zwei Brüder, Jurij und Sergej, (Diakone der örtlichen Gemeinde in Jasinowataja, Ostukraine) sind mit ihren großen Familien (fünf und sechs Kinder) nach Kiew umgezogen und wohnen zurzeit zusammen mit anderen Familien und insgesamt 11 Erwachsenen und 14 Kindern in einem christlichen Freizeitzentrum in der Nähe von Kiew. Dieses Zentrum ist allerdings nur für eine Nutzung im Sommer ausgelegt, also ohne Heizung.

Jurijs Familie hat nur einige Tage, bevor ihr Haus in die Luft gesprengt wurde, die Heimat verlassen. Sie hatten nur wenige Sachen mitgenommen, und von dem, was sie zurückgelassen haben, ist nichts übrig geblieben. Bis zum letzten Moment hatten sie vor Ort bleiben wollen, um anderen zu helfen. Aber als in ihrer Straße ein Haus nach dem anderen zerstört wurde, beschlossen sie, nach Kiew umzuziehen.
Sergejs Familie ist etwas später nach Kiew gekommen. Ihr Haus ist heil geblieben. Bevor sie wegfuhren, haben sie ihren Schlüssel zu Nachbarn gebracht und ihnen erlaubt, die vorhandenen Lebensmittel zu gebrauchen. Außerdem haben sie darum gebeten, Leute in ihrem Haus unterzubringen, die eine Unterkunft benötigen. Nach einiger Zeit, als Sergejs Familie bereits selbst eine Bleibe in der Nähe von Kiew gefunden hatte, riefen die Nachbarn an und teilten mit, dass vier Personen aus dem Nachbardorf gekommen seien. Deren Haus sei zerbombt und sie wüssten nicht, wo sie bleiben sollten. So konnten diese Unterschlupf in ihrem Haus finden.

Ehepaar Wadim und Elena

Sie sind aus dem Kriegsgebiet von Lugansk (Stadt Altschewsk) hierher geflohen, beide blind, Wadim ist zudem schwerhörig. Seit drei Monaten schon bekommen sie keine Behindertenrente. Derzeit wohnen sie bei Elenas Eltern, wo sie eine Mahlzeit am Tag bekommen, für die sie aber selbst finanziell aufkommen müssen. Die Eltern begleiten die beiden von einer Instanz zur nächsten, damit die Rente umadressiert wird, doch dies war bislang erfolglos. Gläubige bemühen sich, Wadim und Elena zusätzliche Verpflegung zukommen zu lassen, und auch wir haben vor, sie materiell und geistlich zu unterstützen.

Der Winter kommt

Inzwischen ist es schon sehr kalt. Alle Flüchtlinge suchen für den Winter eine warme Unterkunft. Viele bieten ihre Häuser und Datschen für solche Familien an. Aber die meisten dieser Häuser waren vorher unbewohnt und man muss viel investieren, um dort überwintern zu können. Und so brauchen die Familien nicht nur warme Kleidung und Lebensmittel, sondern es werden auch Gegenstände des täglichen Lebens benötigt.

Anteil nehmen

Bedürftige Familien gibt es zurzeit in Kiew und im Umland sehr viele. Ihre Geschichten ähneln sich: Bedrohung durch Krieg, Angst durch Schüsse und Explosionen, Angst um das Leben der eigenen Kinder, Traumata durch das Erlebte und Gesehene. Die Flüchtlinge haben meist alles verloren. Unabhängig von Alter, Geschlecht und Status haben sie alle Tränen in den Augen, wenn sie von ihren Familien und von der Situation, in die sie geraten sind, erzählen. Keiner, der zuhört, kann dabei gleichgültig bleiben. Als Mitarbeiter der Mission wollen wir an dem Leben dieser Menschen Anteil nehmen.

Wie wird geholfen?

Unsere Flüchtlingshilfe begann mit der Unterstützung der Hilfsaktion des ukrainischen Baptistenbundes. Da wir uns jedoch mit der übergroßen Not „vor unserer Haustüre“ persönlich konfrontiert sahen, fühlten wir uns dazu gedrängt, auch selbst tätig zu werden, sodass sich – gerade auch durch das große persönliche Engagement unserer Mitarbeiter – eine breit angelegte Initiative der Hilfe entwickelt hat: Durch Aufrufe im Stadtteil unseres Missionsbüros und in anderen Städten sind auch viele andere Menschen aktiv geworden und bringen seither Kleidung und Gegenstände des täglichen Bedarfs zu uns. Diese geben wir dann zusammen mit Lebensmittelpaketen und anderen Hilfsmaßnahmen durch unsere Mitarbeiter an die Flüchtlinge weiter. Darüber hinaus unterstützen wir noch weitere Hilfsaktionen, die auch in der Ostukraine verbliebene Menschen erreichen.
Etwa 500 Flüchtlingen konnte so bisher geholfen werden. Über eineinhalb Tonnen an Lebensmitteln konnten weitergegeben werden und es wurden bereits weitere 1.000 kg eingekauft. Außerdem konnte die Mission Flüchtlingsfamilien helfen, vorübergehend Wohnraum zu mieten, und auch da, wo medizinische Versorgung notwendig war.
Trotz der bisher geleisteten Hilfe ist all das ein Tropfen auf den heißen Stein. Wir bekommen täglich Bitten um Hilfe, und mit Beginn des Winters und der Kälte wird der Bedarf noch mehr anwachsen. Wir bitten Sie um Ihre Mithilfe, damit wir diesen Menschen, die ihr Zuhause verloren haben und ihr Leben praktisch von null an neu aufbauen müssen, helfen können.

Ich will für Nothilfe spenden.